Oberferrieden

Ansicht Oberferrieden
  • Liegt an der Grenze zur Oberpfalz - in der Nähe der "Europäischen Wasserscheide"
  • Die Gründung des Bistums Eichstätt 743 durch Bonifatius könnte dort die Errichtung einer Missionspfarrei ermöglicht haben.
  • Im Jahr 1360 gehören Ober- und Unterferrieden zum Amt Burgthann
  • An der Handelsstraße Nürnberg-Regensburg gelegen sicherte sich der Ort durch die Errichtung einer Zollstation eine gute Einnahmequelle
  • Marienkirche wurde in einer aus dem Jahr 1473 stammenden Kirchenchronik als Wehrkirche erwähnt
  • Im Zuge des Ausbaus der Regensburger Straße (1650-60) wurde der hiesigen Zollstation auch eine Salzspedition angegliedert, die dem Amt viel Geld einbrachte.
  • Am 20. Oktober 1927 brennt erstmals im Dorf das elektrische Licht
  • Am 19. April 1945 schließlich wurde der Ort wegen der sich hier befindenden SS-Einheiten durch US-Panzer in Brand geschossen und zum großen Teil zerstört.
  • 1947 wird der Wiederaufbau eingeleitet
  • Der Anschluss an die Ferngasleitung, der Bau einer Zentralen Wasserversorgung und der Beitritt zum Kanalisationszweckverband beschäftigen die Gemeinde in den folgenden Jahren.
  • Mit Wirkung vom 1.1.1972 wurde Oberferrieden Ortsteil der Großgemeinde Burgthann.

 

Direkt an der Grenze zur Oberpfalz, in der Nähe der "Europäischen Wasserscheide", liegt auf einer flachen Anhöhe das Kirchdorf Oberferrieden. Es entstand vermutlich im Zuge der Landnahme baiuwarischer und fränkischer Stämme. Die Gründung des Bistums Eichstätt 743 durch Bonifatius könnte dort die Errichtung einer Missionspfarrei ermöglicht haben. Im Jahr 1100 n.Chr. hieß der Ort noch "Varrieden" und bedeutet wahrscheinlich "Rodung am Weg". 1179 und 1186 bezeugen die Päpste hier eine Kirche als Besitz des Eichstätter Domkapitels. An Orten mit kirchlichem Grundbesitz und weltlichen Rechten mussten sich Geistliche ansiedeln. Unter dem letzten Spross des einst mächtigen Geschlechts der Grafen von Hirschberg, Gebhard VII., gingen auch die "Ferrieder" Güter an das Domkapitel, da dieses den geldbedürftigen Grafen immer wieder gerne ausgeholfen hat. Am 15 März 1289 wurde Eichstätt von Kaiser Rudolf genötigt, die Güter an den Burggrafen von Nürnberg zu übergeben. In der 1335 hierüber ausgefertigten Urkunde erscheinen Ober- und Unterferrieden als eigene Ortschaften. Im Jahr 1360 gehören beide zum Amt Burgthann. An der Handelsstraße Nürnberg-Regensburg gelegen, sicherte sich der Ort durch die Errichtung einer Zollstation eine gute Einnahmequelle. Von einer Kirche, mit einer hohen Mauer umgeben und wahrscheinlich mit Toren und Türmen versehen, wird in einer 1473 verfassten Kirchenchronik berichtet. Bei Gefahr flüchteten sich die Dorfbewohner hinter die sicheren Mauern der Wehrkirche. Das mächtige Bauwerk wurde trotz seiner dicken Mauern gelegentlich zerstört. (s. auch Marienkirche Oberferrieden = Link)Aus jener Zeit stammt noch das unterste Stockwerk des Turms. In einer Gruft dieser Kirche ließen sich Amtsleute aus Burgthann begraben, so z.B. die Familien von Muslohe, von Schlammersdorf und von Zedwitz. Auf dem Kirchhof, der bald den Anforderungen der zunehmenden Bevölkerung nicht mehr genügte, wurden die Toten über Jahrhunderte beigesetzt. Die Nähe der Schule führte dazu, dass "die Kinder auf den Grabhügeln unserer Väter spielen", wie vom Pfarrer und Lehrer beklagt wurde. Erst 1881 wird der alte Friedhof geschlossen und ein neuer außerhalb des Ortes angelegt. Um 1550 wurde das erste Schulhaus errichtet, kurze Zeit später vom Amtmann beschlagnahmt und dem Förster zugewiesen. Im Kirchhof errichtete man deshalb ein anderes Schul- und Mesnerhaus, welches häufig umgebaut 1815 bereits wieder abgerissen wurde. Die Verlegung der Schule in das seit 1806 leerstehende Amtsgebäude verhinderte Lehrer Haffner, so dass 1815 im Kirchhof erneut ein Schul- und Mesnerhaus zu errichten war. Ein 1963 eingeweihtes Schulhaus beendete endgültig die Schulraumnöte der Gemeinde.

Die Klosteraufhebung der Reformation von 1525 führte bei vielen Bewohnern des Ortes zu Veränderungen der Besitzverhältnisse. Die Streitigkeiten über die Auslegung der Lehre Luthers führte u.a. auch in Altdorf zu Spannungen. Dem in Oberferrieden von 1593 bis 1604 wirkenden Pfarrer Johannes Neumaier ging der Ruf eines aufgeschlossenen und kritischen Predigers voraus. Gläubige aus der Oberpfalz und sogar Studenten aus Altdorf besuchten damals die Oberferriedener Kirche. Unter seinem Nachfolger Johannes Hauck, 1675- 83 wurden alle Denkmäler, Bilder, Wappen und Fahnen aus der Kirche in das "Loch", wie er die Unterferriedener Kirche damals nannte, gebracht, wodurch im Inneren aus jener Zeit sehr wenig erhalten ist. Nur zwei Grabdenkmäler, die an die verstorbenen Kinder des Amtmannes Sigmund von Schlammersdorf erinnern, wurden vermutlich übersehen. Aus der Schule des Veit Stoß soll das Kruzifix im Chorbogen stammen. Das im Jahr 1525-53 erbaute Pfarrhaus wurde bereits im Jahre 1717 abgetragen und neu aufgebaut. Gleichzeitig wurden vom Kirchturm zwei Stockwerke abgetragen und ein Fachwerkbau aufgesetzt, der wiederum bald durch massive Mauern ersetzt wurde. 1900 wird dem Westgiebel eine Vorhalle angefügt, die 1957 in das Langhaus einbezogen wurde.

Im Zuge des Ausbaus der Regensburger Straße (1650-60) wurde der hiesigen Zollstation auch eine Salzspedition angegliedert, die dem Amt viel Geld einbrachte. Im großen Salzstadel wurden die ankommenden Salzscheiben gelagert; der Salzstadelmeister hatte für Verkauf und Weitertransport zu sorgen. Handel und Handwerk entwickelten sich in Oberferrieden dank der günstigen Lage and der Handelsstraße außergewöhnlich. Von 33 Anwesen waren nur neun wirkliche Bauernhöfe. Die Handwerker schlossen sich zu Zünften zusammen. Ihre Erzeugnisse, die nicht im Ort verbraucht oder von durchreisenden Handelsleuten aufgekauft wurden, kamen nach Nürnberg. 1808 wird Oberferrieden zusammen mit Pfeifferhütte, Heinleinshof, Bachmühle, Gugelhof und Rübleinshof eine selbständige Gemeinde. Seiner Lage wegen an der Staatsstraße reisen "hohe Häupter" öfter durch Oberferrieden: Kaiser Franz II. von Österreich, König Ludwig I. von Bayern oder der König von Preußen. 1870 - 1896 wird die Eisenbahnlinie Nürnberg-Neumarkt eingerichtet; einen eigenen Bahnhof erhält Oberferrieden aber erst 1906. Die Gründung verschiedener Vereine, wie z.B. Kriegerverein, Gesangverein und Feuerwehr fällt in diese Zeit. 1908 erhält Oberferrieden ein neues Pfarrhaus und einen neuen Pfarrer. Am 20. Oktober 1927 brennt erstmals im Dorf das elektrische Licht. Die seit Urzeiten durch Oberferrieden führende Post- und Handelsstraße wurde 1932 ostwärts verlegt, bei deren Bau zahlreiche Arbeitslose aus den umliegenden Orten wenigstens für Monate ein festes Einkommen fanden.

Die Kriegsjahre gingen an Oberferrieden nicht ohne Schrecken und Trauer vorbei. Waren es 1942 noch die Kriegsgefangenen, folgten 1944 die ersten Flüchtlingsfamilien aus den Ostgebieten zur Einquartierung. Am 19. April 1945 schließlich wurde der Ort wegen der sich hier befindenden SS-Einheiten durch US-Panzer in Brand geschossen. Infolge des erbitterten Widerstandes in einem teilweise von Haus zu Haus geführten Nahkampf räumten die Amerikaner das zerstörte Dorf 1947 wird der Wiederaufbau eingeleitet. Der Anschluss an die Ferngasleitung, der Bau einer Zentralen Wasserversorgung und der Beitritt zum Kanalisationszweckverband beschäftigen die Gemeinde in den folgenden Jahren. Die 1714 durch das Oberamt Burgthann gegründete Ortschaft Pfeifferhütte wird 1964 dem Wunsch seiner Bürger entsprechend nach Lindelburg umgemeindet. Eine rege private und industrielle Bautätigkeit bestimmte diese Zeit. Nach zähen Fusionsverhandlungen der Bürgermeister und Gemeinderäte sowie einer geheimen Abstimmung votierten die Bürger der Gemeinde für einen Anschluss an Burgthann. Mit Wirkung vom 1.1.1972 wurde Oberferrieden Ortsteil der Großgemeinde Burgthann.

(Quelle: "Burgthann - aus der Geschichte der Großgemeinde" von Werner Martin)
 

 

 

 

Nach oben