Unterferrieden

Ansicht Unterferrieden
  • Erste Siedlungstätigkeit vermutlich in vorchristlicher Zeit (1700 - 1300 v. Chr.)
  • Erste eigene urkundliche Erwähnung im Jahr 1335
  • Typische romanische Chorturmkirche, vermutlich aus dem 13. Jahrhundert (s. auch Marienkirche Unterferrieden - Link)
  • Es wird vermutet, dass bereits zur Zeit des Kirchenbaus im 13. Jahrhundert für den Ort eine Planung bestand
  • Um 1580 war Unterferrieden die größte Ansiedlung im Burgthanner Amtsbezirk.
  • Die Ackerböden zählten bereits im Mittelalter zu den besten der Gegend und Erträge, die nicht im Dorf benötigt wurden, konnten auf Märkten in Nürnberg verkauft werden.
  • 1806 wird Unterferrieden eine selbständige Gemeinde
  • Im Jahr 1900 wird die Lokalbahn von Burgthann über Unterferrieden nach Allersberg genehmigt, diese fuhr bis zum 2. Juni 1973
  • 1930 wurde ein neues Schulhaus errichtet
  • Bis 1938 wurde erfolgreich Hopfenanbau betrieben, der sogar 1877 bei der int. Hopfenaussstellung in Nürnberg eine silberne Medaille brachte
  • Das Ende des 2.Weltkrieges brachte dem Dorf nach einem kurzen Beschuss nur Schäden an drei Anwesen
  • Die Freiwillige Feuerwehr erhält 1954 in neues Gerätehaus, für die Schule und den Sportverein wird 1967 eine gemeinsame Sportanlage errichtet.
  • Seit dem 1. Januar 1972 ist Unterferrieden ein Ortsteil der Großgemeinde Burgthann

 

Die Entstehungsgeschichte des Dorfes ist in ihren Anfängen eng mit der von Oberferrieden verbunden . die Ausgrabungen in den Jahren 1913 und 1969 vermitteln einen Einblick in die Siedlungstätigkeit in vorchristlicher Zeit (1700 - 1300 v.Chr.). Danach verlieren sich die Spuren, die auf eine weitere Besiedlung des hiesigen Gebietes schließen lassen. Erst im Jahr 1335 wurde "Nydern-Verrieden", urkundlich getrennt von Oberferrieden, erwähnt. Die für die hiesige Gegend ungewöhnliche Form des "Haufendorfes" lässt darauf schließen, dass zur Zeit des Kirchenbaues im 13. Jahrhundert für den Ort eine Planung bestand. Vielleicht befand sich damals das Kirchenamt noch hier und die Kirche wäre eine Art "Hofkapelle" gewesen. Sie diente bei Überfällen auch als Flieburg. Wann dieser mächtige und schwer wirkende Bau errichtet wurde, ist nicht belegt. 1491 ist das Unterferriedener Gotteshaus eine Filialkirche von Oberferrieden. Diese typische romanische Chorturmkirche birgt heute nur noch bescheidene Kunstschätze wie z.B. Rest von Fresken, Holzplastiken (u.a. eine Madonnenfigur um 1425) und einige Grabdenkmäler der "Herren von Muslohe" (um 1580). Der Ort war zu jener Zeit, im Vergleich zu den Nachbardörfern, die größte Ansiedlung im Burgthanner Amtsbezirk. Nach der Einführung der Reformation (1528) kam es zu erheblichen Spannungen zwischen Herrschaften und Untertanen, dem manches Anwesen zum Opfer fiel. Unterferrieden war der Ort, der sich am längsten der Reformation widersetzt hatte, was an sechs zu Nürnberger Klöstern gehörenden Bauernhöfen lag. Mit Hanns Neubauer wird 1611 der erste Mesner und Lehrer benannt. Die zu Unterferrieden gehörenden Ackerböden zählten bereits im Mittelalter zu den besten der Gegend. Erträge von Getreide, Lein, Hanf, Flachs und Tabak, die nicht im Dorf benötigt wurden, konnten auf Märkten bzw. in den Nürnberger Klöstern abgesetzt werden. Große Bedeutung erlangte auch die Viehzucht, Weide- und Forstwirtschaft. Letztere veranlasste 1614 den Nürnberger Rat, Holz aus den markgräflichen Wäldern nahe dem Dorf zu erwerben. Die Unterferriedener Bauern zählten zu den wohlhabendsten im Amtsbezirk. Im 30jährigen Krieg blieb der Ort weitgehend von Plünderungen und Brandschatzungen verschont. Danach brachte nur der gelegentliche Durchzug von fremden Truppen den Dorfbewohnern mal auch erhebliche finanzielle Belastungen. 1699 wird die Marienkirche renoviert und eine Empore eingebaut. An der "Geisel der Menschheit", der Pest, starben 1706 mehrere Personen. Im Jahr 1750 wird wegen eines Streites mit dem Pfarrer von Oberferrieden das Forst- und Wildmeisteramt nach Unterferrieden verlegt. Für die Anlage von Hopfengärten war vor allem die Flur "Gwend" geeignet und die hier erzeugte Qualitätsware konnte sogar 1877 bei der int. Hopfenausstellung in Nürnberg eine silberne Medaille erringen. Erst 1938 wurde der hiesige Hopfenanbau gänzlich eingestellt. 1806/08 wird Unterferrieden eine selbständige Gemeinde. Das gemeindliche Grundvermögen wird aufgeteilt und die Grundstücke mit Flurnummern versehen. An den technischen Neuerungen des ausgehenden Jahrhunderts wollte auch die Unterferrieder Bevölkerung teilhaben. Deshalb zeigte man sich auch dem Projekt einer "Lokalbahn" von Burgthann über Unterferrieden nach Allersberg sehr aufgeschlossen. Am 24. März 1900 wurde diese Bahnlinie im Landtag zu München genehmigt. Bereits nach 71 Jahren im Dienste der Bahnkunden, am 2. Juni 1973, verließ der "Allersberger Bockl" zum letzten Mal den Bahnhof, diesmal für immer. Den 13 Gemeindebürgern, die in den Kämpfen des 1. Weltkrieges gefallen sind, wird 1921 ein Kriegerdenkmal geweiht. Für die seinerzeit 90 schulpflichtigen Kinder ist 1930 ein neues Schulhaus errichtet und noch eine zweite Lehrerstelle zugeteilt worden. Das Ende des 2.Weltkrieges brachte dem Dorf nach einem kurzen Beschuss nur Schäden an drei Anwesen. Im Sommer 1946 müssen über 140 Heimatvertriebene untergebracht werden. Die Freiwillige Feuerwehr erhält 1954 in neues Gerätehaus, für die Schule und den Sportverein wird 1967 eine gemeinsame Sportanlage errichtet. In einer geheimen Abstimmung votierte 1971die Mehrheit der Bürger für einen Anschluss an die Gemeinde Burgthann; am 6. Dezember wurde der entsprechende Vertrag unterzeichnet. Seit dem 1. Januar 1972 ist Unterferrieden somit ein Ortsteil der Großgemeinde Burgthann.

(Quelle: "Burgthann - aus der Geschichte der Großgemeinde" von Werner Martin)

 

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